Kommentar des Künstlers:


Die Installation "Gewissensruhe" steht für ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zwischen Würde im Zeitgeist und zeitgeschichtlicher Verdrängung. Ein Mahnmal in Form eines Denkmals, ein Zwiespalt im übertragenem Sinne.

- Ein Denkmahl für die eventuelle Zukunft, das fortan als Mahnmal dient.
- Ein Mahnmal welches davor warnt ein Denkmal zu werden.

Diese Installation sei seiner Sicht nach nicht als Angriff an die derzeitige Regierung zu verstehen, er betrachte es hingegen als große Würde bereits zu Lebzeiten ein Ehrengrab für das eventuelle Scheitern großer Bemühungen garantiert zu bekommen.

Anmerkungen zum Projekt und zur Installation von Hartfrid Neunzert:

Wir betreten ein Gräberfeld. Es besteht aus schlichten Betonkreuzen über unbelegten Flachgräbern. Die eindrucksvolle kreisförmig gestaffelte Anordnung wird durch die große Anzahl betont. Insgesamt 738 Kreuze für 669 Bundestagsabgeordnete und 69 Mitglieder des Bundesrates mahnen! Bei einer solchen Anzahl von Kreuzen erwarten wir die soldatische Anordnung in Reih und Glied. Hier handelt es sich um eine theatermäßige, wie Sitzreihen in einer Ebene hintereinander angeordnete Aufstellung. Welche Tragödie hat sich abgespielt?
Noch keine, aber warum dann dieser Aufwand?
Hier besteht ein Denk- und Mahnmal für die Zeit davor. Noch haben die 669 Bundestagsabgeordneten und die 69 Mitglieder des Bundesrates die Möglichkeit zu handeln. Die bisherigen Bemühungen, einen möglichen Supergau zu verhindern, müssen angesichts der tatsächlichen atomaren Bedrohung als wirklichkeitsfremd und verleugnend angesehen werden. Um dies bewußt zu machen, errichtet schon heute der Künstler Franz Hartmann diesen Ehrenfriedhof. Das Volk, die Wähler haben die Gelegenheit, durch eine symbolische Patenschaft den Politiker ihrer Wahl in seinen Bemühungen zu bestärken oder in ihm zu entfachen, was bisher nur schlummerte. Das Projekt "Gewissensruhe" muß zu einem Anstoß, zu neuen Nachdenklichkeiten, zu neuem Tun gewandelt werden. Alle 738 beteiligten Verantwortlichen sollen daran erinnert werden, daß im alten Ägypten über einen Verstorbenen Gericht gehalten wurde. Die feierliche Bestattung erfolgte erst, wenn der Verstorbene für gerecht befunden wurde. Ein Ehrenfriedhof für Unwürdige?
Der Standort signalisiert die räumliche Nähe zu Gorleben und erhält damit besondere Brisanz. Der Künstler, Jahrgang 1980, verdichtet mit seinem Projekt "Gewissensruhe" einen ungeheueren möglichen Vorgang in einer Art Vorwegnahme. Die Zeichen und die Gestaltung sind bis aufs äußerste reduziert, die Aussagekraft ist klar und überzeugend.
Dem Projekt wünsche ich nachhaltende Wirkung!

Hartfrid Neunzert
Museumsleiter Landsberg am Lech