Lokales aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg


Kunst als ein Spiegelbild

Installation »Gewissensruhe» ab heute bei Gusborn

sum Gusborn. Noch sieht es aus, als würde der Verpackungskünstler Christo seine Finger im Spiel haben: Ein drei Meter hoher Zaun aus weißer Silage-Plane auf einem Acker zwischen Splietau und in Klein Gusborn macht neugierig. Ein Schild bittet um Verständnis: Hier wird noch gearbeitet.

[EJZ; 192-4b-k-b.jpg; (c) Elbe-Jeetzel-Zeitung]Seit knapp 15 Tagen ist der Künstler Franz Hartmann auf dem Acker dabei, seine Installation »Gewissensruhe» aufzubauen. Aus 738 Betonkreuzen entsteht ein »Ehrenfriedhof für Bundestagsabgeordnete nach dem Supergau - Ein Mahnmal, welches davor warnt, ein Denkmal zu werden».

Die grauweißen Betonkreuze, die in Anlehnung an die räumliche Anordnung der Sitze des Bundestages kreisförmig platziert sind, erinnern an eine Kriegsgräberstätte. Jedes Kreuz trägt ein Namensschild mit dem Geburtsjahr eines Bundestagsabgeordneten eines Bundesratsmitglieds. Denn ihnen (also den 669 Bundestagsabgeordneten und 69 Mitgliedern des Bundesrates) ist die Installation von Franz Hartmann gewidmet. In sechs Wochen Schwerstarbeit hat der 21jährige Künstler aus Landsberg 80 cm hohe Kreuze hergestellt - fünf Quadratmetern Schalholz, zwölf Kubikmeter Beton und 1,5 Kilometern Baustahl hat er für das Werk verwendet. Die 22 Tonnen schwere Fracht ließ Hartmann von einem Schwertransporter ins Wendland transportieren. Dort sind die Kreuze nun auf einem gepachtetem 2500 Quadratmeter großen Areal aufgestellt. Wie lange? Bis zum Supergau... ?

1997 war Hartmann selbst beim Widerstand gegen den Castor-Transport nach Gorleben dabei. Angesichts der atomaren Bedrohung sind für ihn die bisherigen Bemühungen, einen Supergau zu verhindern »wirklichkeitsfremd», sagt der Künstler . Der Standort seines Werks, die räumliche Nähe zu Gorleben, habe eine besondere Brisanz. »Ich habe zwei Materialien, Beton und politischen Stoff, miteinander kombiniert, daraus ist ein Kunstwerk entstanden, keine politische Protestaktion», erklärt Hartmann. Er verstehe sein Werk als »ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zwischen Würde im Zeitgeist und zeitgeschichtlicher Verdrängung.» Nicht gemeint sei sie als Angriff auf die derzeitige Regierung.

Er betrachte es dagegen als große Würde, wenn bereits zu Lebzeiten der Abgeordneten eine würdevolle Ruhestätte geboten werde, ein Ehrengrab für den Fall des eventuellen Scheitern der großer Bemühungen des Deutschen Bundestages einen möglichen Supergau zu verhindern. So werde ein Denkmal für eine eventuelle Zukunft werde geschaffen, das fortan als Mahnmal dienen soll. 300 Gäste hat der Künstler zu der Eröffnung seiner des Ehrenfriedhofes heute um 12.30 Uhr eingeladen. Außerdem können über das Internet (www.gewissensruhe.de) Patenschaften übernommen werden.

Bild: "Beton und politischen Stoff", so der Künstler Franz Hartmann, habe er für seine Installation "Ehrenfriedhof für Bundestagsabgeordnete nach dem Supergau" kombiniert. Aufn.: S. Steinmann

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